Freitag, 18. August 2017

Glaube nach Diktat? oder: Sommer- oder Winter-Glaube?

Temperaturstürze – das ist nichts Ungewöhnliches in einem Klima, das manchmal verrückt spielt. Kaum sackt das Thermometer nach unten, sind es gleich 10 Grad weniger, sodass sich der Sommer einen Tag lang wie ein halber Winter anfühlt. Aber wer will schon jetzt den Sommer wieder in die Winterpause entlassen? Der Sommer bedeutet nicht nur Wärme und Helligkeit, auch Leichtlebigkeit, angefangen bei der Kleidung.
Nicht wie Sommer-, sondern wie Winterkleidung, die in der Bewegungsfreiheit einschränkt, so kommt es mir manchmal vor, wenn wir uns aus Glaubensgründen mit Ambitionen zur Gewissensberuhigung, primär mit Forderungen und Traditionen konfrontieren lassen. Lebendiger Glaube ist doch nicht dazu da, primär göttliche Forderungen zu erfüllen. Glaube ist Ermutigung im Leben, Gewissheit und Zuversicht für Gegenwart und Zukunft. Und nicht zuletzt bedeutet Glaube die Erfahrung einer neuen Freiheit im und zum Leben!
(c) M. Fischer
Freiheit ist ein wichtiges Moment des christlichen Glaubens, Freiheit von Zwängen, von moralischen Defiziten, destruktivem Verhalten, Lieblosigkeit und Unfreundlichkeit. Freiheit ist ein zentrales Thema des Neuen Testaments, nicht nur dort, wo es vom Leben mit Gottes Geist spricht.
Begonnen hat dies schon mit Jesus, der sich mit jahrhundertealter Prägung konfrontiert sah und darum den Menschen anbot, nach seiner Art zu glauben, um dadurch Erleichterung und Erquickung im Glauben und Leben zu finden.
Wie empfindest du für dich Glaubensinhalt und –praxis? Als lebensfördernd, als Raum zum Aufatmen. 
Dass mancher den Eindruck hat, dies erst zu finden, wenn er dem Glauben den Rücken zuwendet, sollte nachdenklich machen.
Natürlich schließt lebendiger Glaube nicht jede Form von Leid aus. Leid gehört immer wieder auch zu den Erfahrungen, die Gott zulässt. Aber im Herzen kann es gerade auch dann gegenteilige Erfahrungen geben, die vieles im Leben erträglicher machen. Ob dir dein Glaube das ermöglicht?
(c) M. Fischer
Ich glaube, wir müssen nicht nur manche Praxis, sondern schon manche Auffassung eintauschen. Wir müssen vermutlich manche übliche Auffassung ablegen wie Winterkleidung, die in der warmen Jahreszeit jegliche Freude an Wärme im Sommer verleiden lässt. Vielleicht gehört dazu eine neue Art zu beten, eine neue Einstellung gegenüber Gott und seinem Geist, vielleicht sogar eine neue Lebensausrichtung.

Zum Glück können wir nicht nur in Sachen Kleidung selbst entscheiden, was wir anziehen - es sei denn, das Diktat der Mode oder die Meinung anderer ist so dominant, dass wir schon lange aufgehört haben zu spüren, evtl. unfrei zu sein.
Ähnliches ist auch dann der Fall, wenn wir immer wieder anderen die Schuld daran geben, selbst keinen lebendigen Glauben zu haben. Da spielt es keine Rolle, ob wir uns auf Fehlern anderer ausruhen oder es lediglich zu unbequem finden auszuscheren. Und selbst wenn Glaube und Liebe um dich herum erkaltet sind und sich in Winterstarre befinden, kann die Wärme der Liebe Gottes und die Erfahrung des Heiligen Geistes zweifellos gegen den Trend wirksam werden.
"Was soll ich nur anziehen?" - das könnte für dich das nächste Mal eine kleine Anfrage an dich selbst sein, ob dein Alltag zu einem lebendigen Glauben passt, ob du die innere Freiheit bei Jesus gefunden hast und christliches Leben für dich nicht mehr Last, sondern Lust ist, nicht mehr wie Winterstarre sondern Sommerfrische erfahren wird. Einen leichtlebigeren Sommerglauben wünsche ich dir!

Sonntag, 25. Juni 2017

Sei ehrlich, werde untreu!

Foto (c) Bir Git
Vielleicht lebst du schon lange unehrlich und sehnst dich nach Ehrlichkeit. Dann könnte diese Anfrage nach Untreue dich in eine neue Freiheit führen. Doch ist die Schwelle nicht ganz niedrig. Aber der Reihe nach:
Aufforderung zur Untreue gegenüber dem Ehepartner – das ist hier sicher nicht gemeint, noch weniger gegenüber Gott. Schon eher könnte es eine Aufforderung zur Untreue gegenüber dem eigenen Glauben sein, gegenüber einem Christsein, das weder weiterhilft noch froh und befreit leben lässt.
Ja, es gibt eine legitime Aufforderung zur Untreue, wenn man das Spiel mit der vorgetäuschten Frömmigkeit spielt, der Treue, die gar keine Treue zu Gott ist. Das ist nicht immer einfach zu erkennen. Am besten man nimmt nicht Gott, sondern sich selbst als Person, der man ggf. untreu werden muss.
Vielleicht lebst du ein Leben, das dich schon lange nicht zufrieden stellt. Du bist gefrustet von deiner Tretmühle und dem Spiel, das du wegen anderen mitspielst, obwohl du es gar nicht willst. Aber fehlender Mut verhindert deine Ehrlichkeit, deinen Entschluss, Schluss zu machen und dir selbst gegenüber untreu zu werden.
Ob dir da der Gedanke eines lebendigen Glaubens an Jesus weiterhelfen könnte? Immerhin fordert er auf, sich selbst zu verleugnen, um mit ihm treu leben zu können. Du musst die Treue deinem vermeintlichen Ich gegenüber beenden, damit die Untreue gegenüber Gott beendet wird.
Das scheint dir alles etwas verworren?
Dann nimm die Aufforderung zur Untreue als einen göttlichen Befehl – so wie es Jesus übertrieben ausdrückte als er sagte, dass man sich gegebenenfalls ein Auge ausreißen sollte, wenn es einem zum Fallstrick werden würde.
So ist auch die Aufforderung zur Selbstverleugnung in einer gewissen Art übertrieben. Es ist kein Nein zum eigenen Leben, „lediglich“ ein Nein zu einem eigensüchtigen Leben, das nicht im Einklang mit Gott steht. Es ist die Verleugnung der Ichsucht, die zwar manchmal positiv auftritt, aber letztlich nicht zum Leben und Segen mit Gott verhilft. So forderte auch Jesus auf, sich selbst zum Guten untreu zu werden.
Foto (c) windblowupfarm.com
Vielleicht brauchst du die Untreue gegenüber deiner Gewohnheit, die Untreue gegenüber der eigenen Bequemlichkeit, die Untreue gegenüber der eigenen Unlust oder gar der Flucht vor dem, was dir wirklich helfen, dich stark und mutig machen würde.
Vielleicht beginnst du einfach mal nachzudenken, wo dir Untreue, Abkehr von dem, was lähmt, am leichtesten fällt. Dann können die ersten Erfolgserlebnisse ein gutes Aufbauprogramm für die nächsten Schritte sein. Es könnte die erste große Erfahrung sein, dass mehr Positives in dir steckt als du bisher geglaubt hast, die erste ermutigende Erfahrung, dass auch du nicht nur geführt werden kannst, sondern auch selbst führen kannst.Also los, auf zur Untreue! – ruft Dorfpastor dir zu.

Samstag, 17. Juni 2017

Download- oder Upload-Glaube?

Foto (c) r.böhm
Nervig – diese Zeit vor dem Computer, wenn Dorfpastor warten muss, bis die Datei endlich hochgeladen ist. Upload, das Hochladen, dauert ja bekanntlich viel länger als etwas herunterzuladen. Und wer etwas hoch geladen hat, weiß nicht unbedingt sofort, ob es auch am anderen Ende wirklich angekommen ist.
Foto (c) barbarasu.de
Hochladen, zu Gott in die unsichtbare Welt – das machen viele Menschen. Ihr Glaube beschränkt sich darauf, Gott etwas zu präsentieren, etwas Religiöses: Gebete, gute Taten o.a. Man hofft, dass es auch bei Gott ankommt, vielleicht sogar auf ein paar Pluspunkte im Himmel. Das ist Glaube im Upload-Modus.
Solch ein Glaube im Upload-Modus, meint Dorfpastor, hat nicht unbedingt etwas mit dem Evangelium zu tun. Da gilt zuerst die umgekehrte Richtung: zuerst kam Gott in unsere menschliche Welt, anfangs durch viele ermutigende Zeichen, später in der Gestalt von Jesus Christus. Und Gott zu erfahren, das ist bis heute als Möglichkeit geblieben, auch wenn sich viele Menschen schwer tun, Gott in ihrem Alltag zu entdecken. Sie registrieren eher das Böse, fragen aber selten, woher denn eigentlich das überwiegend Gute kommt.
Gott bringt sich und das Gute in unsere Welt, lange bevor er irgendetwas von uns Menschen erwartet. Wir können Gottes Güte erfahren, bevor wir Gott irgendetwas bringen müssten. Erst kommt im Evangelium der Glaube im Download. Und Upload ist auch nur eine Widerspiegelung unserer von Gott geschenkten Möglichkeiten.
Foto (c) barbarasu.de
Doch ob wir darauf eingestellt sind? Zuerst Downloaden! Das muss man vielleicht auch dann zulassen, wenn unser Zweifel den Download blockiert, weil es angeblich ein Virus ist.
Dabei bringt Gott nichts als Gutes, nur seine Liebe ein – und immer zuerst, bevor wir ihn lieben könnten. Er liebte uns schon, bevor wir ihn – wie ein Baby die Mutter – anlächeln konnten. Er liebte uns schon vor unserer Geburt, denn unsere Existenz in dieser Welt ist ein genialer Gedanke Gottes. Sogar unser Leben hier ist eine Art „Download“ von Gott. Gott ist der immer zuerst gebende und liebende Gott.
Wer als Laie eine Internetverbindung einrichten soll, weiß wie kompliziert es sein kann. Da kann man froh sein, dass sich vieles in den letzten Jahren vereinfacht hat und sich eine Verbindung aufbaut, nachdem man mit wenigen Klicks die Kommunikation mit dem Internet eingeleitet hat.
Die Kommunikation mit Gott aufnehmen, vielleicht mal wieder reinklicken, pardon: rein gucken bei Gott, in Gottes Wort oder auch in einem Gottesdienst, meint Dorfpastor, könnte vielleicht sogar ein Aha-Erlebnis schaffen. Man spürt: da kommt etwas bei uns Menschen an. Da kommt tatsächlich eine Verbindung zwischen uns und Gott zustande. Vielleicht entdeckt man sogar, warum es bisher nicht so gut funktioniert hat und es noch viel mehr zu entdecken und erleben gibt, wenn der Download von Gott in unser Leben fließt.

Eine superschnelle und stets störungsfreie Verbindung „nach oben“, pardon: „von oben“, wünscht dir Dorfpastor.