Samstag, 7. Januar 2017

Warum wir einen „Erdogan“ brauchen

Kaum zu glauben, wie aktuell in der Türkei gegen Regime-Kritiker durchgegriffen wird. Westliche Einflüsse versucht man, in den Hintergrund zu drängen. Manches der "westlichen" Informationen sind auch sowieso nicht empfehlenswert, wenn man an einen Bereich denkt, der zwar in der westlichen Welt teils unter der Rubrik Kultur rangiert, aber jeglicher guter Werte entbehrt. Da könnte eine Nachrichtensperre gelegen sein, findet Dorfpastor.
Foto (c) www.barbarasu.de 
Dass mit einer solchen Maßnahme aber auch anderes leidet, z.B. Religionsfreiheit, christliche Werte u.a., sollte dabei nicht verschwiegen werden. Darum ist Dorfpastor dankbar für alles Engagement für Glaubens- und Redefreiheit, wofür sich Christen nicht nur an der europäisch-asiatischen Grenze einsetzen.
Doch was Dorfpastor zu diesem Titel animierte, waren die täglichen Nachrichten, die jedem Internetnutzer sofort in die Augen springen, wenn man Seiten verschiedener Nachrichtenportale öffnet. Da scheint es „wichtige“ Meldungen über Menschen zu geben, die nichts anders wollen, als dass über ihr Privatleben berichtet wird. Mancher Promi verdient damit schließlich sein Geld.
Foto: Dt. Bibelgesellschaft
Aber müssen wir das wirklich wissen, was man bei einem Film- oder Schlagerstar XY zu Hause denkt, isst und welche Kleidung sie oder er gerade trägt und wo sie sich gerade aufhalten? Müssen wir wissen, ob er sich mit seiner Partnerin noch verträgt oder wie viel seine wiederholte Scheidung gekostet hat? Inhaltlich amüsieren wir uns zu Tode, um es mit einem Buchtitel des Medienforschers Neill Postman zu sagen.
Aber müssen wir gleich das Schlimmste denken? Dorfpastor findet, es reicht ja schon, wenn gerade jene, die vielleicht nicht mal bei Facebook in ihrem Freundeskreis erwähnt werden, sich unwichtig, unbedeutend und minderwertig vorkommen müssen.
Wir sollten uns nicht länger etwas vormachen lassen, als sei dies enorm wichtig - ganz im Gegensatz zu uns selbst. Wir sollten uns schon gar nicht minderwertig vorkommen, weil die Medien nicht mit uns, sondern anderen, für uns eigentlich unwichtige Personen, gefüllt sind. Wer da seiner Neugierde nicht Grenzen setzen kann, scheint einen „Erdogan“ zu benötigen, quasi eine Art Nachrichtensperre für diese „westlichen“ Inhalte. Sie könnten nicht nur Zeit-, sondern auch Lebensfresser sein.
Was hilft es, wenn ein Mensch alles mitbekommt, wer wo und wie lebt, aber dabei sein eigenes Leben nicht bewusst und individuell gestaltet? Gilt da nicht schon fast, was Jesus mal gesagt hat: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber Schaden nimmt an seiner Seele?“
Vielleicht sollten wir für ein bewussteres Leben nicht nur Zeiten in unserem Terminkalender blocken, sondern auch bestimmte Nachrichten, damit wir uns nicht zu Tode informieren, am eigenen Leben vorbei, damit wir uns wieder selbst und unsere Seele finden können. Das ist einer der ganz wichtigen Wünsche von Dorfpastor an dich in diesem Jahr.

Ach ja, ob da vielleicht das aktuelle christliche Jahresmotto relevant sein könnte? Es lautet: Gott spricht: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ (Die Bibel, Altes Testament, Prophet Hesekiel Kapitel 36, Vers 26). Wie wäre es mal beim morgendlichen Kaffee mit neuen, lebenswichtigen Nachrichten, vielleicht beim Lesen der „Guten Nachricht“, der Bibel?

Samstag, 24. Dezember 2016

Amatrice, Aleppo und das postfaktische Weihnachten

Foto (c) M. Fischer
Foto (c) BiBu
Fast ist das Erdbeben, das das italienische Dorf Amatrice in diesem Sommer zerstörte, vergessen, die Bilder aus Aleppo sind schon Gewohnheit geworden, doch da werden wir kurz vor Heiligabend durch einen Terroranschlag mal wieder aufgerüttelt. Eine zweistellige Zahl von Toten ergab das Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt. In Amatrice war sie dreistellig. Aber Aleppos Zahl der Toten ist mindestens vierstellig. Wie sollen wir da guten Gewissens Weihnachten feiern? Das geht doch nur, wenn man an der Realität vorbei sieht – also postfaktische Weihnachten feiert.
Postfaktisch – das ist das Wort des Jahres 2016 und besagt, dass man einfach mal die Fakten links liegen lässt, weil man es sich anders wünscht. Aber die Umsetzung der Weihnachtsbotschaft  „Frieden auf Erden“ ist das sicher nicht. Geht das überhaupt? Oder müssen wir sowieso postfaktisch denken, weil angeblich an der Weihnachtsgeschichte nichts Wahres dran ist? Wie war es mit Joseph und Maria, mit der Jungfrauengeburt, dem Stern über Bethlehem?
Foto (c) BiBu
Nun, Kaiser Augustus, der ist unbestritten, auch seine Volkszählungen. Dass König Herodes extrem grausam war, ist nachgewiesen. Der Kindermord von Bethlehem wäre ihm ohne weiteres zuzutrauen. Nein, Orte, Namen und Geschehnisse kann man nicht einfach für unhistorisch oder postfaktisch erklären.
Nicht selten ist ja auch der Grund für solche Behauptung weniger die gründliche, unvoreingenommene Recherche, sondern die fehlende Vorstellungskraft, allen voran die Jungfrauengeburt. Sie zu glauben, gilt heute als Zumutung.
Aber sind das nicht viele andere Wunder auch? Und brauchten wir nicht auch so etwas wie ein Wunder, wenn es endlich mal Frieden auf Erden geben soll? Diese Hoffnung geben wir doch nicht auf – auch wenn es unwahrscheinlich scheint. Und wird Jesus nicht auch der Heiland der Welt genannt?
Wer die Bibel ein wenig kennt, meint Dorfpastor, weiß, dass Jesus nicht als Zauberer kam, der mit einem Fingerschnipsen alles verändert. Frieden ist ohnehin eine Frage, wie es um den Menschen steht – von innen her. Und Weihnachten ist ja kein Wunsch-Erfüllungs-Automat, egal ob in der Version als Christkind oder Weihnachtsmann. Da muss schon etwas anderes passieren – mehr, viel mehr.
Foto: Miss Sixty, wize.life
Wenn man das Weihnachtsfest als eine Gedenkfeier an eine rührselige Geschichte hält, ist wohl vieles davon auf der Strecke geblieben. Da gilt es noch zu entdecken, was Weihnachten, bzw. Jesus selbst, gerade auch für solche Orte wie Amatrice und Aleppo bedeutet.
Weihnachten war ja nur der Anfangspunkt eines kompletten Lebens. Es ist die Geschichte von Gotot, der sich als Mensch komplett investiert. Es wurde trotz und wegen allem Leid eine neue Botschaft der Hoffnung und Ermutigung mit Aussicht auf ein neues Leben. Und da kommt meist auch der Verweis auf eine neue Welt, ein Reich Gottes, das zwar hier schon im Kleinen beginnen kann, aber letztlich nicht hier vollendet wird, zu kurz - das eigentliche happy end.
Somit bleibt Weihnachten - egal wie man es feiert - relevatn, selbst dann, wenn die globale Entwicklung bedrückend bleibt. Jesus kommt nicht nur in diese Welt, sondern steuert mit ihr auf etwas ganz Neues zu. Aber ob das bei den Weihnachtsbesuchern im Blick ist? Oder verhindern sozialkritische Predigten den Ausblick auf das Kommende und das Angebot zu einer persönlichen Lebensveränderung durch Gottes Gegenwart im eigenen Leben?
Es scheint, dass viele nicht nah genug an die Bedeutung von Weihnachten herangekommen sind, als stünden sie weit weg von der Krippe. Sie sind nicht nah genug an Jesus dran  -  sei es im ehrlichen Gebet und einer für Jesus geöffneten Lebensführung. Das wäre wie ein  postfaktisches Weihnachten. Darum sei Dorfpastor die Frage gestattet, wo du, liebe Leserin, lieber Leser, im Bild mit der Krippe im Stall positioniert wärest? Oder wärst du gar nicht ins Bild integriert?

Freitag, 9. Dezember 2016

Ist Gott egoistisch?

Gott ist egoistisch? Das scheint starker Tobak, eine mehr als dreiste Behauptung zu sein. Schließlich sagt die Bibel, dass Gott in diese Welt kam und sogar bereit war, sich in der Gestalt seines Sohnes Jesus total aufzuopfern und zu investieren. 
Foto (c) Miss Sixty, wizelife
Wer einer Mutter, die ihr letztes Quantum Zeit und Kraft und Besitz in das Leben ihres Kindes investiert, sagt, dass sie egoistisch sei, erntet wenig Verständnis. Kann sein, dass er nicht ganz Unrecht hat, weil es der Mutter fast mehr um ihr eigenes Image dabei geht, dass man ihr nicht nachsagt, sie sei eine Rabenmutter als um das tatsächliche Kindeswohl. Aber es gibt eben doch auch andere Motive.
Gewiss – es ist umstritten, wo Selbstlosigkeit beginnt und ob vieles, was selbstlos aussieht, nicht auch egoistisch ist. Heutige Psychologen sagen teils, dass es reine Selbstlosigkeit nicht gebe, sondern der Mensch irgendeine Absicht auch für sich selbst dabei verfolgt. Für die Entwicklung des einen oder anderen ehrenamtlichen Engagements scheint das immer mehr zuzutreffen, weil manche nicht nur anderen helfen, sondern auch dabei ein Stück sich selbst und ihre Pläne verwirklichen wollen.
Foto (c) Miss Sixty, wizelife
Aber macht das nicht auch Gott? Hat er nicht einen Plan, nämlich, dass Menschen zu ihm finden? Ist er vielleicht gar nicht um der Menschen willen in diese Welt gekommen, sondern um seiner selbst willen? Hat er einfach keine Freude daran, seine Schöpfung aufzugeben und die Menschheit zu verlieren?
Das trifft auf jeden Fall zu, denn Gott schafft eine Möglichkeit, zu ihm zu finden, die auch zur Freude für ihn selbst ist. So sagte es Jesus, dass man sich sogar ganz besonders im Himmel, also bei Gott, freut, wenn schon ein einzelner Mensch zu seinem Ursprung, zu Gott, zurückfindet.
Nur erzählt jene Geschichte, in der Gott als Vater eines ehemals verlorenen Sohns dargestellt wird, dass auch andere und besonders der verlorene Sohn selbst sich freuten. Und wenn man bedenkt, dass Gott diesen völlig abstrusen Weg des Jesus von Nazareth ging, der sich verachten und hinrichten lässt und als Versager dasteht und dass Gott uns Menschen ja einfach hätte aufgeben und sich eine neue Schöpfung machen können, dann sieht es doch schon etwas anders aus. Ob es da noch fair ist, Gott als egoistisch zu bezeichnen? Und diese Win-win-Situation ging doch auf Kosten von Gott, der uns nicht braucht, wenn er Neues schaffen kann. Aber wir brauchen ihn. So gesehen ist Gott wohl kaum egoistisch.
Dorfpastor fürchtet, dass das bei vielen Menschen überhaupt noch nicht angekommen ist, dass der große Gewinn auf unserer menschlichen Seite liegt und die Sache mit Jesus nicht einfach etwas ist, was man unter Allgemeinwissen verbuchen sollte, statt möglicher Nutznießer zu sein.